Sind Sie ganz persönlich auch Service-Provider?
Bieten Sie eine Dienstleistung auf Basis Ihrer Fertigkeiten und Fähigkeiten einem „Kunden“ an und werden dafür bezahlt? Sicher! Jeder einzelne für sich ist ein „One Men Service-Provider“ und bietet seine Services, die er in der Regel erlernt hat, seinem Arbeitgeber, dem „Kunden“, an.
Der Arbeitgeber bezahlt den Service in Form des Gehalts, vielleicht mit zusätzlichen Boni oder Prämien bei Angestellten oder in Form von Tagessätzen oder Projektvergütungen bei Freiberuflern.
Wenn es um den Wert des von Ihnen geleisteten Service geht, wäre es schlecht, nur die Kosten zu reflektieren. Jeder einzelne „One Men Service-Provider“ leistet einen Mehrwert für den Kunden. Sonst würde er diese Stelle nicht besetzen. Entscheidend bei diesem Service-Provider sind demnach nicht die Kosten, sondern der Saldo aus Kosten und Nutzen. Je größer dieser ist, umso besser.
Leider verhält es sich bei Service-Organisationen, insbesondere bei internen, häufig anders. Hier werden oft nur die Kosten reflektiert.
Unser Facility Management ist zu teuer!
Unsere IT ist zu teuer!
Unsere … ist zu teuer!
Oftmals tragen die internen Service-Provider Mitschuld an dieser leider sehr einseitig Betrachtungsweise. Sie machen in der Regel einen guten Job, optimieren auch permanent die Abläufe, um den Service günstig anzubieten, stellen aber nicht ausreichend genug den Mehrwert der geleisteten Services für das Kernbusiness des Kunden dar. Der Service-Provider bleibt eine „Kostenstelle“, der Nutzen wird nicht oder nicht ausreichend erfasst. Ein Saldo aus Kosten und Nutzen lässt sich dann auch nicht ermitteln.
Wie aber lässt sich der Wert eines Services ermitteln?
Zunächst besteht eine grundsätzliche Notwendigkeit in der Darstellung des Dienstleistungsportfolios. Optimalerweise sind Dienstleistungsprodukte strukturiert und bepreist. Sie liegen dem Kunden als solche transparent und bestellbar vor. Nur dann lässt sich ein Wert je Serviceprodukt feststellen.
Die Produkte sollten in enger Abstimmung mit dem Servicekunden entwickelt und implementiert werden, so dass der höchste Wirkungsgrad erreicht werden kann. Der Wirkungsgrad des Service ist die Effizienzsteigerung beim Kunden durch den Einsatz dieser Dienstleistung bzw. die Lücke, die ohne den Service entsteht.
Hierzu ein Beispiel: Ein IT-Service-Provider bietet einem Einzelhandelsgeschäft eine Online-Plattform an. Der Einzelhändler verkauft damit deutlich mehr Waren, erhält bessere Einkaufskonditionen und damit eine höhere Marge. Der Mehraufwand für den Service fällt nur mit Verpackungs- und Versandkosten an, die anderen Tätigkeiten kann das Ladenpersonal in Zeiten geringerer Auslastung mit erledigen. Für den Einzelhändler ergibt sich ein konkreter Vorteil, durch erhöhten Umsatz und geringere Einkaufspreise bei nahezu gleichen Fixkosten. Beträgt dieser Mehrwert monatlich beispielsweise 5.000,00 Euro und liegt der Preis für den Onlineshop bei beispielsweise 2.500,00 Euro, so ist der Service-Mehrwert aus Sicht des Kunden 2.500,00 Euro. Dieser Einzelhändler käme nie auf die Idee, die Kosten für den Onlineshop zu sparen, da er damit auch den Nutzen verlieren würde. Zugegebenermaßen handelt es sich hier um ein einfaches Beispiel. Viele Service-Provider agieren im komplexeren Umfeld.
Dennoch ist es wichtig, immer den Nutzen der Dienstleistung herauszuarbeiten und erst im zweiten Schritt die Kosten und Risiken zu betrachten. Niemand wird einen günstigen, aber nutzlosen Service beauftragen. Ist der Service beim Kunden dagegen nutzbringend implementiert, wird er ihn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten versuchen auszubauen, zu optimieren und nicht die Kosten für diesen Service einzusparen.
Lässt sich der Servicewert berechnen?
Es werden zahlreiche Formeln angeboten, die den Wert von Services berechnen sollen. Ein gängiger Ansatz ist das Verhältnis der Service-Kosten in Bezug zum Umsatz des Zielunternehmens. Beispielsweise die IT-Kosten im Verhältnis zum Umsatz oder zum produzierten Stück beim Service Kunden. Diese Betrachtung ist mangelhaft. Selbst wenn die Kosten exakt aufgeschlüsselt sind, was keinesfalls immer der Fall ist, kann durch den exzessiven Einsatz eines Service-Providers, beispielsweise der IT, ein sehr großer Mehrwert geschaffen werden, der gegebenenfalls auch deutlich höhere Kosten dieses Service-Providers rechtfertigt. Die IT-Kosten je Umsatz greifen hier zu kurz.
Eine weiterführende Idee haben wir in der Computerwoche gefunden. Der Wert eines IT-Service ist demnach die Reduzierung der Betriebskosten im Kundenprozess durch den Einsatz von IT‑Dienstleistungen. Auch dieser Ansatz greift zu kurz. Einerseits unterstellt er, dass der Kundenprozess nur durch den Einsatz der IT rationalisiert wird, was sicherlich nicht so ist. Zum anderen greift dieses Modell nur bei Rationalisierungs-, nicht aber bei Innovationsprojekten.
Im Ergebnis zahlreicher interner Betrachtungen konnten wir die allgemeine „goldene Formel“ für die Wertberechnung eines Service nicht finden. Die Materie und die Abhängigkeiten sowie die Einflussfaktoren sind oft zu komplex. Die Berechnungen und die Beschaffung der Datenbasis sind zu aufwändig. Der „Glaube“ an die Zahlen ist oft größer als „das Wissen“ darüber.
Unser Aufsichtsratsvorsitzender, Prof. Dr. Dr. Eckbert Hering sagte dazu: „Wenn die Materie zu komplex ist, entscheidet der Mensch aus dem Bauch heraus“. Häufig werden uns Zahlen helfen, Entscheidungen zu treffen bzw. zu manifestieren. Letztendlich aber kommt es darauf an, dass der Kunde zufrieden ist und „ein gutes Gefühl„ hat mit dem eingekauften Service für sich einen Mehrwert zu erzeugen. In diesem Fall betrachtet er den Service-Provider nicht als „Kostenstelle“, sondern als „Nutzenstifter“.
Dieses gute Gefühl zu erzeugen bzw. zu erhalten, sollte die permanente Aufgabe eines jeden Service-Providers sein. Das Eigenmarketing, welches gerade bei internen Service-Providern häufig nicht ausgeprägt ist, ist dazu zu entwickeln und anzuwenden. Der Einsatz lohnt sich!
